Authcode, KK-Antrag, Fristen: wie ein Domainwechsel formal abläuft
Ein Domainumzug scheitert selten an der Technik. Er scheitert an einem abgelaufenen Code, an einer Sperre, die niemand aufgehoben hat, oder an einer Mailadresse, die keiner mehr liest. Das Verfahren, nüchtern erklärt.
Eine Domain umzuziehen ist technisch unspektakulär. In den meisten Fällen dauert der eigentliche Vorgang Minuten. Trotzdem gehört der Providerwechsel zu den Dingen, die regelmäßig schiefgehen, und die Gründe sind fast nie technischer Natur: ein Code, der abgelaufen war, eine Sperre, die niemand aufgehoben hat, eine Bestätigungsmail an eine Adresse, die seit drei Jahren niemand mehr liest.
Dieser Text erklärt das Verfahren. Was ein Authcode eigentlich ist, wie ein KK-Antrag abläuft, welche Fristen gelten, was bei einer .de-Domain anders ist als bei einer .com, und an welchen Stellen es in der Praxis hakt.
Der Authcode ist ein Passwort, kein Formular
Der Authcode, je nach Anbieter auch Auth-Info, AuthInfo-Passwort oder Transfer-Key genannt, ist ein Kennwort, das genau eine Aussage transportiert: Wer diesen Code vorlegt, darf über die Domain verfügen. Er ersetzt jede Unterschrift und jedes Formular. Deshalb gehört er behandelt wie ein Zugangspasswort und nicht wie eine Bestellnummer.
Ausgestellt wird er immer vom abgebenden Anbieter, also von dem, bei dem die Domain heute liegt. Kein neuer Anbieter kann ihn erzeugen, keine Registry gibt ihn heraus. Wer ihn nicht bekommt, hat kein technisches Problem, sondern ein vertragliches.
Praktisch heißt das: Der Code geht auf direktem Weg vom alten Anbieter zu dir und von dir zum neuen. Er hat in einer Ticketbeschreibung, in einem geteilten Dokument oder in einem Chatverlauf nichts verloren, der über Jahre durchsuchbar bleibt.
Bei .de heißt das Verfahren KK-Antrag
KK steht für Konnektivitätskoordination, ein Begriff aus der Frühzeit der DENIC, der sich gehalten hat. Gemeint ist der Providerwechsel einer .de-Domain, und er läuft in drei Schritten.
Erstens lässt du dir vom bisherigen Anbieter das AuthInfo-Passwort setzen. Der Anbieter hinterlegt eine verschlüsselte Fassung bei der DENIC, wo sie 30 Kalendertage gültig bleibt. Läuft diese Frist ab, ohne dass ein Antrag eingeht, muss der Code neu gesetzt werden.
Zweitens gibst du das Passwort an den neuen Anbieter weiter, der damit den KK-Antrag bei der DENIC stellt.
Drittens vergleicht die DENIC das übermittelte Passwort mit dem hinterlegten. Stimmen beide überein, wird der Wechsel sofort ausgeführt. Es gibt keine Wartezeit, keine Zustimmung des alten Anbieters, keine Widerspruchsfrist.
Das ist der angenehme Teil an .de: Der abgebende Anbieter kann den Wechsel nicht verzögern, sobald der Code einmal gesetzt ist. Genau deshalb ist die Herausgabe des Codes der einzige Punkt, an dem es hakt.
Generische Endungen: mehr Schritte, mehr Sperren
Bei .com, .net, .org und den übrigen generischen Endungen gilt die Transfer Policy der ICANN, und die kennt deutlich mehr Zwischenschritte.
Die Domain muss entsperrt sein. Registrare setzen standardmäßig eine Transfersperre, sichtbar im Whois als clientTransferProhibited. Die hebst du im Kundenkonto des alten Anbieters auf, bevor irgendetwas anderes passiert.
Der Whois-Datenschutz muss weg. Viele Anbieter ersetzen die Kontaktdaten durch eine Proxy-Adresse. Bestätigungsmails laufen dann ins Leere oder werden gefiltert. Schalte ihn für die Dauer des Umzugs ab.
Der abgebende Anbieter hat fünf Tage Zeit. Nach dem Transferauftrag darf er widersprechen oder zustimmen. Reagiert er nicht, gilt der Transfer als genehmigt und wird ausgeführt. Wer es eilig hat, bestätigt aktiv im alten Kundenkonto, statt die Frist verstreichen zu lassen.
Es gibt Sperrfristen von 60 Tagen. Sie greifen nach einer Neuregistrierung, nach einem vorangegangenen Transfer und nach einem Inhaberwechsel. Wer eine Domain kauft und sofort umziehen will, läuft genau in diese Falle.
Was sich an den Sperrfristen ändert
Diese 60 Tage stehen auf der Kippe. Der GNSO Council der ICANN hat im März 2025 den Abschlussbericht der Transfer Policy Working Group angenommen. Darin fällt die Sperre nach einem Inhaberwechsel weg, und die übrigen Sperren nach Registrierung und Transfer sollen auf 720 Stunden, also 30 Tage, sinken.
Angenommen heißt allerdings nicht in Kraft. Bis solche Beschlüsse bei den Registraren ankommen, vergehen erfahrungsgemäß viele Monate. Rechne deshalb weiter mit 60 Tagen und frag im Zweifel deinen abgebenden Anbieter, was für deine Domain gerade gilt. Wer heute plant, plant mit der alten Regel und freut sich, wenn es schneller geht.
Woran Umzüge tatsächlich scheitern
Der Code ist abgelaufen. Zwischen „ich hole schon mal den Authcode" und „wir machen den Umzug nächsten Monat" liegen bei .de dreißig Tage. Hol den Code erst, wenn der Umzug wirklich ansteht.
Die Kontaktadresse ist tot. Bei generischen Endungen gehen Bestätigungen an die im Whois hinterlegte Adresse. Ist das die Mailadresse eines ausgeschiedenen Mitarbeiters oder eine Adresse auf der umziehenden Domain selbst, wird es unangenehm. Prüf sie vorher.
Niemand hat an die Mail gedacht. Das ist der teuerste Fehler. Ein Providerwechsel ändert zunächst nur die Zuständigkeit, aber häufig übernimmt der neue Anbieter dabei auch die Nameserver, und mit ihnen wechseln die MX-Einträge. Wenn beim neuen Anbieter noch keine Postfächer stehen, laufen ab diesem Moment Mails ins Leere. Postfächer werden vor dem Wechsel angelegt und befüllt, nicht danach.
Der Umzug fällt in die Verlängerung. Ein Transfer bei generischen Endungen verlängert die Laufzeit üblicherweise um ein Jahr, das ist im Preis enthalten. Trotzdem solltest du nicht in den letzten Tagen vor dem Ablaufdatum umziehen: Fällt der Transfer in dieses Fenster, ist die Reihenfolge von Verlängerung und Wechsel plötzlich wichtig, und im schlimmsten Fall zahlst du zweimal.
whois beispiel.de | grep -i "status\|nserver"
dig +short NS beispiel.de
dig +short MX beispiel.de
dig +short TXT beispiel.de
Die vier Zeilen beantworten die Fragen, die sonst erst nach dem Umzug auffallen: Steht eine Transfersperre? Welche Nameserver sind aktiv? Wohin geht die Mail? Und liegt dort ein SPF-Eintrag, der nach dem Wechsel angepasst werden muss?
Schreib dir die Ausgabe weg, bevor du anfängst. Sie ist der Sollzustand, gegen den du nach dem Wechsel vergleichst.
„Der beste Zeitpunkt für einen Domainumzug ist der, an dem die neue Umgebung schon läuft und nur noch niemand draufzeigt.“
Die Reihenfolge, die Ausfälle vermeidet
Baue zuerst die Zielumgebung vollständig auf, inklusive Postfächern und einem Zertifikat. Setze danach die TTL der DNS-Einträge herunter, damit Änderungen schnell greifen. Zieh dann die Domain um. Prüf zum Schluss Website, Mailversand und Mailempfang, und stell die TTL wieder hoch.
In dieser Reihenfolge ist der Wechsel selbst der langweiligste Schritt, und genau so soll es sein. Wie das bei uns konkret abläuft, steht auf der Seite zum Domainumzug, die freie Verfügbarkeit einer neuen Endung prüfst du direkt in der Domainsuche.
Häufige Fragen zum Domainumzug
Domain umziehen, ohne dass etwas ausfällt
Schick uns die Domain und wir sagen dir, welche Sperren aktiv sind, was vorbereitet gehört und in welcher Reihenfolge wir umschalten.